Plattenbau in Berlin: Kleine Plattenkunde mit degewo
Imago / Jürgen Ritter
Mehr als 100.000 Berlinerinnen und Berliner leben in Plattenbauten. Grund genug, sich einmal anzuschauen, wie vielfältig die Wohnriesen aus Beton sind. Denn Platte ist nicht gleich Platte! degewo führt Sie durch den Großstadtdschungel.
Es gibt sie im Osten der Stadt wie im Westen: aus Betonfertigteilen gebaute Wohnhäuser. Im Osten der Stadt nannte man sie im Volksmund „Neubauten“, Baufachleute nannten sie nach einem traditionellen Konstruktionsbegriff “Plattenbauten”.
Im Westen der Stadt nannte man sie etwas internationaler klingend Großtafelbauweisen nach dem englischen Large-Panel-System. Diese Namensgebung hing auch mit den oft importierten Bauweisen z.B. aus Frankreich oder Dänemark zusammen. Großsiedlungen wie Marzahn, Hellersdorf, Gropiusstadtund Märkisches Viertel sind eindrucksvolle Beweise des Baubooms gegen die Wohnungsnot. Hier liegt ein weiterer Unterschied, während man im Osten fast ausschließlich mit der „Platte“ baute, setzte man im Wester der Stadt auf verschiedene Bauweisen. Oft wurden dort auch Ortbetonbauten mit vorgehangenen Fertigteilfassaden statt reiner Plattenbauten gebaut. Platte ist also nicht gleich Platte, denn so starr das Material ist, so flexibel sind die Bauweisen und Wohnformen.
Es gibt sie im Osten der Stadt wie im Westen: aus Betonfertigteilen gebaute Wohnhäuser. Im Osten der Stadt nannte man Sie im Volksmund „Neubauten“, während die Baufachleute diese Plattenbauten genannt hatten, nach einem traditionellen Konstruktionsbegriff. Im Westen der Stadt nannte man sie etwas Internationaler Großtafelbauweisen nach dem englischen Large-Panel-System, was auch damit zusammenhing das man die Bauweisen oft importierte z.b. aus Frankreich oder Dänemark. Großsiedlungen wie Marzahn, Hellersdorf, Gropiusstadt und Märkisches Viertel sind eindrucksvolle Beweise des Baubooms gegen die Wohnungsnot. Hier liegt ein weiterer Unterschied, während man im Osten fast ausschließlich mit der „Platte“ baute setzte man im Wester der Stadt auf verschiedene Bauweisen, oft werden auch Ortbetonbauten mit vorgehangenen Fertigteilfassaden gebaut wesentlich seltener mit reinen Plattenbauweisen. Platte ist also nicht gleich Platte, denn so starr das Material ist, so flexibel sind die Bauweisen und Wohnformen.
Welche Plattenbauten gibt es?
Die kurze Antwort ist: Mehr, als Sie denken! Während im Westteil der Stadt fast jede Platte anders ist, setzte man im Osten auf Typisierung. Das hatte den Vorteil, dass die Plattenwerke, die die Betonteile gossen, Standardteile anfertigten, die im ganzen Land identisch waren. Der Begriff „Plattenbau“ war zudem nicht weit verbreitet, man sprach lieber von „Neubauten“. Neben der weithin bekannten „Einheitsplatte“ WBS 70 sind in Berlin vor allem die Typen P2 und WHH GT 18/21 zu sehen. Doch es gibt viele Subtypen und Mischformen, die selbst Plattenbaukenner stutzen lassen, welchen Typ sie wohl gerade vor sich haben. Drei bekanntere Bauweisen stellen wir Ihnen hier vor.
Cathrin Bach
WBS 70: Die Einheitsplatte
Sie wird zwar Einheitsplatte genannt, ist aber alles andere als Einheitsbrei: Die Abkürzung WBS 70 steht für WohnungsBauSerie und die Zahl 70 für den Beginn des Massenwohnungsprogramm von 1970-1990, dessen Haupterzeugnis sie sein sollte. Die WBS 70 gilt als meistgebaute Platte der ehemaligen DDR. Die erste WBS 70 wurde allerdings erst 1973 in Neubrandenburg gebaut. Der Titel Einheitsplatte gründet auf ihrem einheitlichen Modulraster von 1,20 x 1,20 Metern, mit dem man neben Wohngebäuden auch Kindergärten, Schulen und Bürobauten herstellen konnte. Die Wohnhäuser kamen manchmal als Fünf- oder Sechsgeschosser, oft auch als Elfgeschosser daher. Je nach Anzahl der Stockwerke spricht man dann von einer WBS 70/5, 70/6 oder 70/11. Trotz der starken Standardisierung der Bauteile erwies sich die WBS 70 als der flexibelste Plattenbautyp. Sie existiert auch als innerstädtische Variante, die von den ehemaligen Bezirken der DDR in verschiedenen Typenabwandlungen, wie z.B. der Wohnungsbaureihe 85 (WBR 85) aus dem ehemaligen Bezirk Erfurt, die man in der Berliner Innenstadt und in Berlin-Köpenick findet. Eine typisch „ostig“ eingerichtete WBS 70 können Sie sich in der Museumswohnung Marzahn anschauen.
Cathrin Bach
WHH SK 22/25 (Typ Berlin): Der Riese
WHH steht für – Sie ahnen es vielleicht – Wohnhochhaus. Und zwar in SK, Skelettbauweise. Dieser Begriff spart allerdings aus, dass der Kern des Gebäudes mit einer Gleitschalung gebaut wurde, damit das Gebäude auch bei enormen Höhen stabil bleibt. Die Zahl hinter den Buchstaben zeigt an, wie viele Geschosse das Haus hat, in diesem Fall 22 und 25. Es gibt auch Plattenbauhochhäuser wie die WHH 18. Steht ein 18-Geschosser allein als Punkthochhaus – wie beispielsweise am Bürgerpark Marzahn –, ist dieser Abkürzung nichts mehr hinzuzufügen. Oft treten die Wohnriesen jedoch als Paare auf, von denen ein Haus größer ist als das andere: die WHH GT 18/21. Dieses Doppelhochhaus hat dann einen Gebäudeteil mit 18 und einen nebenstehenden mit 21 Stockwerken. Eine besondere Form dieses Plattenbautyps ist nach dem Jahr der Einführung benannt und ist heute unter anderem an der Marzahner Promenade zu finden, die WHH GT 85. 1984 baute man den Vorgängertyp im Ernst-Thälmann-Park - bekannt für seine Fächerform. degewo-Hausmeister Thorsten Hauff führt uns mal herum:
P2: Parallelwelten
Die kürzeste Plattenabkürzung weist mit ihrer Buchstaben-Zahlen-Kombination auf Parallelität hin: Beim Typ P2 sind die tragenden Wände parallel zur Fassade angeordnet. Zwei Aufgänge haben die Gebäude, deren Geschosshöhe zwischen fünf bis elf variiert. Wie die WBS 70 ist auch die P2 recht flexibel. Die markanten „Bumerang“-Platten am Platz der Vereinten Nationen sind beispielsweise modifizierte P2-Bauten.
Wenn’s nicht mehr passt, wird’s passend gemacht
Spätestens als um die Jahrtausendwende der Leerstand im Ostteil Berlins einen Höhepunkt erreicht hatte, wurde die Platte zum Problem – und gleichzeitig zur Lösung. Denn das flexible Bausystem ermöglichte, Wohnungen geschossweise abzutragen und ganze Wohnblöcke umzugestalten. So geschehen in unserem degewo-Quartier in Ahrensfelde, im Norden Marzahns: Die Ahrensfelder Terrassen gelten als Vorzeigeprojekt des Stadtumbaus Ost. Weniger, aber bessere Wohnungen war das Ziel des Umbauprogramms. Die 16 Elfgeschosser des Bautyps WBS 70 wurden in Gebäude mit drei bis sechs Stockwerken umgewandelt, bekamen größere, moderne Küchen und neue Bäder.
Typenbau in Berlin heute
Die Zeit der Platte ist noch nicht vorbei, auch wenn wir sie heute wohl nicht mehr so nennen würden. Die landeseigenen Wohnungsgesellschaften, zu denen auch degewo gehört, setzen aus vielen Gründen auf Typenbauweise. Standardisierte und typisierte Entwurfselemente und Bauteile können nämlich nicht nur dazu beitragen, schneller zu bauen. Die Produktion von vielen dieser Elemente spart viel Geld, weil die Herstellungskosten reduziert werden. Wenn Sie das Thema interessiert, finden Sie in der Publikation „Typenbau Berlin“ (PDF, 5,7 MB) der landeseigenen Wohnungsunternehmen weitere Informationen zur Zukunft dieser Bauweise.