Zusammen statt allein: Plauderbänke im Allende-Viertel
Daniel Dietz
Immer mehr Menschen in Deutschland sind von Einsamkeit betroffen. Im Alltag fehlt es oft an Begegnungen und Gesprächen, auch in Millionenstädten wie Berlin. Im Salvador-Allende-Viertel in Treptow-Köpenick sollen nun sogenannte „Plauderbänke“ zu mehr Austausch im Kiez beitragen.
Ein Nachmittag für Begegnungen
Rund um einen kleinen Platz am Alfreds Garten in der Alfred-Randt-Straße 11–13 tummelt sich am Nachmittag die Nachbarschaft. Am Stand des Kiezklub Allende gibt es Kaffee, Kuchen und jede Menge Wasser, auf den Tischen sind Spiele und Mitmach-Aktionen verteilt und an einem schattigen Plätzchen im Alfreds Garten ist eine Kinderschmink-Station aufgebaut. Gemeinsam mit degewo sind zahlreiche Initiativen und Vereine vor Ort, die sich im Kiez engagieren, wie das Seniorenheim am Müggelschlößchenweg oder Berliner Hausbesuche.
Mittendrin: die neuen Plauderbänke. An insgesamt drei Standorten im Allende-Viertel können sich die Nachbarinnen und Nachbarn in Zukunft einfach auf einer der Bänke niederlassen und miteinander ins Gespräch kommen.
Organisiert wurde die Veranstaltung unter dem Motto „Zusammen statt allein“ von BENN – Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften und vom Amt für Soziales im Bezirksamt Treptow-Köpenick. Anlass war neben den Plauderbänken die bundesweite Woche gegen Einsamkeit.
„Einsamkeit betrifft viele Menschen – man ist mit diesem Gefühl nicht alleine“, betont Antonia Nähring vom BENN-Team. „Wir wollen mit diesem heutigen Aktionstag das Thema Einsamkeit sichtbar machen“, bestärkt auch Carolin Weingart, Bezirksstadträtin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Teilhabe in Treptow-Köpenick. Ziel sei es, mehr Begegnungen und Gemeinschaft im Alltag zu ermöglichen – auch dann, wenn keine Veranstaltungen für die Nachbarschaft stattfinden.
Plauderbänke: Einladung zum Gespräch
Aber wie geht das – einfach „ins Gespräch kommen“? Catharina Wendt, Quartierskoordinatorin fürs Allende-Viertel bei degewo, und Ines Schilling, Leiterin der sozialraumorientierten Planungskoordination, machen’s bei einem Plausch auf der Plauderbank vor.
„Die Idee, Plauderbänke im Allende-Viertel aufzustellen, kam aus einem Wunsch aus der Nachbarschaft“, erzählt Catharina Wendt. „Das Bezirksamt Treptow-Köpenick ist dann auf degewo zugekommen und hat gefragt, ob wir nicht eine Idee haben, wo wir solche Plauderbänke aufstellen könnten.“ Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Kundencenter habe sie schnell passende Standorte gefunden – unter anderem vor dem Alfreds Garten, direkt an der Tischtennisplatte. Zuvor gab es dort außerhalb des Gartens keine Sitzmöglichkeiten. „Ich habe mich damit ein bisschen ins Herz der Tischtennisspielenden eingekauft“, gibt Wendt schmunzelnd zu.
Damit Gespräche leichter entstehen, sind neben den Bänken kleine Kästen mit Gesprächskarten angebracht. Fragen zu Themen wie „Fantasie“, „Reise“ oder „Alltag“ bieten den perfekten Aufhänger für ein wenig Plaudern. „Nicht jeder kann oder möchte einfach fremde Menschen ansprechen. Die Karten sollen den Einstieg erleichtern“, erklärt die Quartierskoordinatorin. Neben Veranstaltungen wie diesen sind rund um die Plauderbänke weitere gemeinsame Aktionen im Kiez denkbar.
Ein Treffpunkt für die Nachbarschaft
Im Kiez kommen die Bänke gut an und sorgen für mehr Begegnungen im Alltag. „Seitdem das Brunnenstübchen geschlossen wurde, trifft man sich nur noch selten. Es hat sich alles ein bisschen verstreut“, erzählt Julia Dietrich, degewo-Mieterin im Allende-Viertel. Mit den Bänken an der Tischtennisplatte gebe es nun wieder einen Ort für Begegnung. „Es setzen sich wieder viel mehr Leute hierhin. Das finde ich sehr schön.“
Auch eine andere Anwohnerin berichtet, dass die Plauderbänke bereits gut angenommen wurden. „Ich finde auch die Idee, dass man dort sitzen und ins Gespräch kommen kann, ganz toll”, erzählt sie. „Wir sind hier in der Nachbarschaft aber auch ein bisschen besonders – die Menschen rücken irgendwie näher zusammen.“
Ich sehe, dass die Bänke wirklich täglich genutzt werden. Das freut mich unwahrscheinlich.
Noch sind viele der Anwohnerinnen und Anwohner etwas zurückhaltend, wenn es darum geht, Fremde auf der Bank anzusprechen. Wie das geändert werden kann, wird bereits fleißig diskutiert, erzählt Ulrike Bernard von der mobilen Stadtteilarbeit. „Gemeinsam mit anderen Akteuren im Kiez überlegen wir, ob wir zum Beispiel ab und zu eine Person auf die Bank setzen, die aktiv ins Gespräch mit den Menschen geht. Wir wollen gezielt auf die Bedürfnisse der Anwohnenden eingehen und ihnen zuhören.“
Schon jetzt zeigt sich: Die Plauderbänke werden genutzt – zum Ausruhen, für spontane Begegnungen und mehr Austausch im Alltag. Eine wichtige Voraussetzung, um gemeinsam gegen die Einsamkeit anzukommen.