Zehn Jahre Mieterrat
Hoffotografen
Mitwirkung bei degewo
Seit drei Jahren engagiert sich Ramin Rachel im degewo-Mieterrat, seit zwei Jahren als dessen Sprecher. Hauptberuflich ist er Referent beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V. Im Interview erzählt er, was ihn an seinem Ehrenamt motiviert, wie der Mieterrat die Interessen der Mieterschaft einbringt und was sich gemeinsam bewegen lässt.
degewo | Der Mieterrat feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Worauf sind Sie persönlich besonders stolz?
Ramin Rachel | Besonders stolz bin ich darauf, wenn aus unseren Hinweisen tatsächlich konkrete Veränderungen entstehen. Darin sehe ich einen wichtigen Erfolg unserer Arbeit im Mieterrat: Wir geben Anstöße, die zu Verbesserungen führen. Sehr positiv ist auch die Zusammenarbeit mit degewo. Wenn wir zu bestimmten Sachverhalten Anfragen an die zuständigen Stellen richten, erhalten wir in der Regel schnell und ausführlich Antworten.
Was hat Sie damals motiviert, sich für den Mieterrat zu engagieren? Und was motiviert Sie bis heute?
Alle Menschen, die bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit für ein Ehrenamt einzusetzen, verbindet aus meiner Sicht eine gemeinsame Motivation: Sie möchten, dass das Gemeinwesen funktioniert. Dahinter steht der Wunsch, Verantwortung auch für andere zu übernehmen und Dinge aktiv mitzugestalten. Diese Möglichkeit motiviert mich bis heute. Wir treffen uns mindestens einmal im Monat, nehmen an verschiedenen Veranstaltungen teil, besuchen Mieterinnen und Mieter vor Ort und stehen im regelmäßigen Austausch mit degewo. Gerade diese Vielfalt macht die Arbeit spannend.
Unsere Aufgabe ist es, die Interessen der Mieterinnen und Mieter einzubringen, Entwicklungen konstruktiv zu begleiten und an Verbesserungen mitzuwirken.
Wie würden Sie die Rolle des Mieterrates in wenigen Worten beschreiben?
Zu den zentralen Aufgaben des Mieterrates gehört es, den Vorstand und das Unternehmen konstruktiv zu begleiten. Wir befassen uns intensiv mit den Investitionsplanungen. Dafür erhalten wir von degewo Unterlagen zu den vorgesehenen Maßnahmen – vom Neubau über die Bestandserhaltung bis hin zu Sanierungsprojekten. Anhand dieser Informationen prüfen wir die Vorhaben und bringen die Perspektive der Mieterinnen und Mieter ein.
Darüber hinaus versteht sich der Mieterrat als Bindeglied zwischen Mieterschaft und degewo. Wenn sich Fehlentwicklungen zeigen oder grundlegende Probleme auftreten, suchen wir gemeinsam mit den Verantwortlichen nach Lösungen.
Was schätzen Mieterinnen und Mieter am Mieterrat besonders?
Ich glaube, Mieterinnen und Mieter schätzen vor allem, dass wir uns kümmern. Der Mieterrat arbeitet ehrenamtlich, deshalb kann es manchmal etwas länger dauern, bis wir antworten. Dennoch versuchen wir, auf jede Anfrage einzugehen und eine Lösung oder zumindest eine Orientierung zu finden.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Mieterbeirat und Mieterrat. Der Mieterbeirat vor Ort ist in erster Linie Ansprechpartner für Anliegen, die das Quartier oder die Nachbarschaft betreffen. Er greift Themen aus dem direkten Wohnumfeld auf und vertritt die Interessen der Mieterinnen und Mieter vor Ort. Zeigt sich jedoch, dass ein Problem grundsätzlicher Natur ist oder viele Mieterinnen und Mieter betrifft, kommt der Mieterrat ins Spiel.
Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: „Dafür lohnt sich mein Engagement“? Wo konnten Sie konkret etwas für Mieterinnen und Mieter verbessern?
Solche Situationen gibt es immer wieder. Ein Beispiel sind die Investitionsplanungen. Hier bringen wir die Perspektive der Mieterinnen und Mieter ein und setzen uns dafür ein, dass der Bestand langfristig gut erhalten bleibt. Deshalb freut es uns, dass in den vergangenen Jahren mehr in die Bestandserhaltung und Sanierung investiert wurde. Das sehen wir als positives Zeichen und als Bestätigung dafür, dass der regelmäßige Austausch zwischen Mieterrat und degewo wichtig ist.
Auch wenn ein Anliegen ins Stocken gerät oder über längere Zeit keine Klarheit über einen Bearbeitungsstand besteht, schalten wir uns als Mieterrat ein. Wir wenden uns dann an die Koordinierungsstelle, die das Anliegen an die zuständigen Fachbereiche weitergibt, um aktuelle Stände zu klären und den Betroffenen eine verlässliche Rückmeldung zu geben. So können wir Klarheit schaffen und Prozesse beschleunigen.
Der Mieterrat auf einen Blick
Als gewählte Interessenvertretung bringt der Mieterrat die Perspektive der degewo-Mieterinnen und -Mieter bei wichtigen Themen und Entwicklungen ein. Seine Mitglieder werden alle fünf Jahre gewählt. Wer mehr über die Arbeit des Gremiums, seine Mitglieder und aktuelle Themen erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der Website des degewo-Mieterrats.
Gab es Situationen, in denen Ausdauer gefragt war?
Ja, solche Situationen gibt es viele. Ich glaube sogar, dass genau darin eine der zentralen Aufgaben des Mieterrats besteht: Themen über einen längeren Zeitraum konsequent zu begleiten und immer wieder anzusprechen.
Ein Beispiel ist die Vermietungspraxis. Aus unserer Sicht ist es problematisch, dass bestehende degewo-Mieterinnen und -Mieter, deren Wohnraumbedarf sich verändert – etwa weil die Familie wächst –, bei der Wohnungssuche genauso behandelt werden wie alle anderen Wohnungssuchenden. Wer seit vielen Jahren in einer degewo-Wohnung lebt, sollte bessere Möglichkeiten haben, innerhalb des Bestandes in eine passende Wohnung umzuziehen. Ein weiteres Thema, das uns seit Jahren beschäftigt, ist die Vermüllung in den Wohnquartieren. Wir beobachten zunehmend eine „Mir doch egal“-Haltung, der aus unserer Sicht nicht entschieden genug begegnet wird.
Was haben Sie durch Ihr Engagement im Mieterrat persönlich gelernt?
Eine der schönsten Erfahrungen ist für mich, dass man im Team gemeinsam mehr erreichen kann. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich unsere Zusammenarbeit noch einmal deutlich verbessert. Ein Mieterrat besteht aus Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Persönlichkeiten. Es braucht deshalb soziale Kompetenz, um alle einzubinden und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Ich freue mich sehr, dass uns das inzwischen gut gelingt.
Darüber hinaus habe ich die Zusammenarbeit mit degewo sehr zu schätzen gelernt. Es ist spürbar, dass degewo den Austausch mit dem Mieterrat ernst nimmt. Wir können uns mit Fragen an die Koordinierungsstelle für Mietergremien bei degewo wenden, haben regelmäßig Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichen Abteilungen zu Gast und können unsere Anregungen und Kritik unmittelbar einbringen.
Ich möchte alle Mieterinnen und Mieter ermutigen, sich zu beteiligen – sei es durch eine Kandidatur oder durch ihre Stimme bei der Wahl.
2027 steht die nächste Mieterratswahl an. Was möchten Sie Mieterinnen und Mietern mitgeben, die überlegen, sich künftig selbst zu engagieren oder bei der nächsten Wahl ihre Stimme abzugeben?
Über den Mieterrat besteht ein direkter Draht zu einem großen Wohnungsunternehmen mit mehr als 150.000 Mieterinnen und Mietern. Unsere Anliegen werden gehört – nicht nur im regelmäßigen Austausch mit degewo, sondern auch über unsere Vertretung im Aufsichtsrat. Wie wichtig diese Mitwirkung ist, zeigt sich beispielsweise bei großen Projekten wie der Sanierung der Schlangenbader Straße. Dort sind Mieterbeirat und Mieterrat eng eingebunden und begleiten die Entwicklung intensiv.
Wer über eine Kandidatur nachdenkt, sollte sich bewusst sein, dass dieses Ehrenamt Zeit und persönliches Engagement erfordert. Wichtig ist die Bereitschaft, konstruktiv mitzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen und sich mit den Anliegen der Mieterinnen und Mieter auseinanderzusetzen. Kritik gehört selbstverständlich zur Arbeit des Mieterrats, sie sollte jedoch mit konkreten Lösungsvorschlägen verbunden sein und im Dialog erfolgen. Respekt, Sachlichkeit und ein konstruktiver Umgang miteinander sind die Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit.