Berlins liegendes Hochhaus: Das steckt hinter der „Schlange“

Weitwinkelansicht der Wohnanlage „Die Schlange“ von der Straße aus, mit Blick auf das langgestreckte Gebäude und die beleuchtete Unterführung der Stadtautobahn.

Die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße, liebevoll „Schlange“ genannt, gehört wegen ihrer Größe, Komplexität und der durchlaufenden Schnellstraße zu den bemerkenswertesten Bauten Berlins. Wir verraten Ihnen, wie die Idee zu diesem Projekt entstand und was das Gebäude so besonders macht. 

Sie gilt als einzigartiger Sonderbau – schließlich ist sie das weltweit einzige Gebäude, bei der eine Schnellstraße mit Wohnungen linear überbaut wurde. Die Rede ist von der „Schlange“, einem Denkmal, welches zu den größten zusammenhängenden und durchgängig begehbaren Wohnkomplexen Europas zählt. Zwei separate Autobahntunnelröhren durchlaufen das Gebäude in den ersten drei Geschossen. Die sieben Sockelgeschosse wurden als Terrassenhaus gestaltet, darüber erhebt sich ein siebengeschossiges Hochhaus.

  • Außenansicht des markanten terrassierten Wohnhochhauses an der Wiesbadener Straße in Berlin-Schöneberg, „Die Schlange“, mit heller Fassade und übereinander gestaffelten Wohnterrassen.
  • Bepflanzte Terrassen und Balkone der Wohnanlage „Die Schlange“ in Berlin-Schöneberg, mit üppigem Grün und individuellen Gartengestaltungen der Bewohnerinnen und Bewohner.
  • Innenraumzugang der Wohnanlage „Die Schlange“ mit schwarz-weiß kariertem Boden, gelben Wandflächen und blauen Türen mit Wegweisern zu den verschiedenen Gebäudeteilen.
  • Leuchtend gelbe, großformatige Briefkastenanlage im Eingangsbereich der Wohnanlage „Die Schlange“, montiert auf schwarzen Säulen.

Wie entstand die Idee zu  diesem Bau? Wie sieht der Wohnkomplex von innen aus? Und welche Herausforderungen sind damals und heute mit dem Gebäude verbunden?

Ein Kind der Wohnungsnot: Wie es zum Bau der „Schlange“ kam

Anfang bis Mitte der 1970er war die Wohnraumsituation im isolierten Westteil Berlins sehr kritisch. Eine Idee musste her, wie dringend benötigte Wohnungen geschaffen werden konnten. Mit dem Konzept der „Schlange“ sollten erstmals Verkehrsflächen und Wohnungsbau in einem Bau vereint werden, um kostbaren Baugrund effizient zu nutzen. 1971 stimmten Senat und Bezirksgremien der Umsetzung eines solchen Konzeptes zu. Das blieb nicht ohne Kritik: Mehr als 1.700 Bürgerinnen und Bürger wandten sich mit ihrer Unterschrift gegen das Projekt. Doch die Wohnungsnot wog schwerer als die Bedenken. 

Die Konstruktion der Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße: kein leichtes Unterfangen

Mit dem Entwurf von Georg Heinrichs und dem Architekten Gerhard Krebs nahm das Bauunternehmen Mosch den Bau und die einhergehende Herausforderung in Angriff. 1974 geriet die Mosch Bauunternehmung in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das Land Berlin übergab daraufhin degewo die Projektdurchführung. Pläne mussten überarbeitet werden, haustechnische und wirtschaftliche Ideen schienen nicht realisierbar. Dennoch begannen bereits 1975 erste Bauarbeiten, um den vom Bundesverkehrsministerium für die Förderung des Autobahnbaus geforderten Baubeginn sicherzustellen. Die endgültige Baugenehmigung lag erst 1978 vor.

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Trotz regem Verkehr keine Lärmbelastung für Mietende der „Schlange“

Die Bauphase blieb nicht ohne Schwierigkeiten: Bodenabsenkungen des Erdreichs forderten einen teuren Ausgleich. Trotz der widrigen Herausforderungen gelang im Jahr 1981 die Fertigstellung der „Schlange“. Erste Bewohner zogen bereits 1980 in ihre Wohnungen. Im selben Jahr wurde die Autobahn in Betrieb genommen. 

Die technische Anlage der Autobahntunnelkonstruktion ist so angelegt, dass die Anwohnerinnen und Anwohner der Überbauung, durch die normalerweise werktags 60.000 bis 80.000 Fahrzeuge fahren, nicht gestört werden. Das ist nur durch eine völlig getrennte Tunnelkonstruktion möglich: zwei Tunnelröhren führen durch das Gebäude. Seit 2023 ist der Tunnel allerdings vollgesperrt, weshalb es zur Zeit besonders ruhig in der Schlangenbader Straße ist. 

Im Mai 2025 haben wir mit der energetischen Sanierung der „Schlange“ in einem ersten Gebäudeabschnitt begonnen. Dadurch soll die Autobahnüberbauung auch nach 45 Jahren ein attraktiver Wohnort in besonderer Lage bleiben, ohne zur Belastung für die Umwelt zu werden.

Sanierung der Schlangenbader Straße

Eckart und Elisabeth Brennecke wohnen bereits seit 2016 in der Schlangenbader Straße. Aufgrund der Sanierung ihres Wohnblocks musste das Ehepaar nun umziehen – zum Glück nur wenige hundert Meter weiter in einen anderen Teil der „Schlange“. Was den Brenneckes am Leben in der Autobahnüberbauung besonders gefällt, wie der Umzug in ihre neue Wohnung abgelaufen ist und was seitdem alles auf der Baustelle passiert ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die „Schlange“ heute: bemerkenswerte Daten und Fakten

Die „Schlange“ hat sich mittlerweile zu einem beliebten Wohnumfeld gewandelt. Das liegt unter anderem an der Stadtlage mit guten Verkehrsanbindungen sowie den recht günstigen Mieten. Hier ein paar spannende Zahlen und Fakten zur Schlange: 

  • In 1.752 Wohnungen leben etwa 3.000 Menschen. 
  • Allein 1.329 der Wohnungen gehören dem sozialen Wohnungsbau an. 
  • Im Durchschnitt sind die Mieterinnen und Mieter 63,3 Jahre jung. 
  • Auf 5.774 m² Fläche sind 27 Gewerbeeinheiten verteilt. 
  • Über 40.000 m² Grünfläche (davon 20.000 m² Spielfläche) bieten Anwohnerinnen und Anwohnern Austausch- und Freizeitmöglichkeiten. 
  • Das Gemeinschaftsgefühl macht sich bei der Initiative „Nachbarn für Nachbarn“ bemerkbar. Beinahe 100 Mieterinnen und Mieter treffen sich regelmäßig zu verschiedenen Freizeitaktivitäten. Malen, Sport und Spiel stehen hier hoch im Kurs. 
  • Die „Schlange“ steht seit 2017 offiziell unter Denkmalschutz.

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